13. Oktober 2026

Gewalt im Stadion

Gewalteskalation beim Fußballspiel zwischen Köln und Gladbach bietet nach Einschätzung der DPolG NRW keine Hinweise auf ein gescheitertes neues Sicherheitskonzept

Am vergangenen Sonntag kam es beim Spiel zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach zu massiven Ausschreitungen im Block, nachdem Anhänger der Gladbacher Mannschaft eine Barriere aus Plexiglas zerstörten und zugleich Pyrotechnik in den Block der Kölner Anhänger feuerten. In vielen Kommentaren wird das neue Sicherheitskonzept der Polizei NRW bei Spielen in der Ersten bis zur Dritten Liga als ursächlich für die Ausschreitungen bezeichnet. Aus Sicht der DPolG NRW gibt es für einen solchen Rückschluss aber keinerlei Hinweise.

Die Auseinandersetzungen im Derby zwischen Köln und Mönchengladbach waren ausgesprochen heftig. Nachdem Anhänger von Mönchengladbach zunächst eine Fantrennung aus Plexiglas zerstörten, begannen sie Pyrotechnik in den Block der Kölner Fans zu schießen. Hierbei kamen mehrere Personen zu Schaden. Der im Stadion und in den Blöcken zuständige Ordnerdienst entschied augenscheinlich aus Gründen der Eigensicherung, nicht in den Block zu gehen und es dauerte einige Minuten bis Einsatzkräfte der Polizei den Block erreicht hatten und eine Fantrennung gewährleisten konnten.

In zahlreichen Kommentaren war aufgrund des Ereignisses zu lesen und zu hören, dass die neue polizeiliche Strategie, die Anzahl der Polizeikräfte bei Fußballspielen zu reduzieren, erkennbar gescheitert sei. Schließlich habe es mehrere Minuten gedauert, bis Kräfte der Polizei im Block gewesen seien.

Aus der Sicht der DPolG NRW ist dieser Rückschluss nicht nachvollziehbar.

Tatsache ist, dass es sich bei dem Spiel um ein Derby mit nicht unerheblichem Risiko für Ausschreitungen handelte. Die Veranstaltung wurde daher, anders als bei Spielen, bei denen man nur eine geringe Wahrscheinlichkeit für Ausschreitungen sieht, von zahlreichen Polizeikräften begleitet- darunter Einsatzhundertschaften sowie Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten. Letztere begaben sich in den Block der Kölner Fans und beruhigten durch ihren Einsatz die Lage. Im weiteren Verlauf begann die Polizei sodann bereits damit, Tatverdächtige zu identifizieren.

Seit vielen Jahren werden Einsatzkräfte der Polizei im Stadion zurückgehalten, da es primäre Aufgabe des Ordnerdienstes ist, dort für Ordnung zu sorgen und Auseinandersetzungen durch Präsenz entgegenzuwirken. Es handelt sich also keineswegs um eine neue taktische Maßgabe, die Polizeikräfte nicht im Block vorzuhalten. 

Die Fokussierung auf neue taktische Einsatzgrundsätze als Ursache für die Ausschreitungen schlägt aus der Sicht der DPolG NRW fehl. Stattdessen muss abermals die Frage gestellt werden, wie es überhaupt möglich sein kann, dass Pyrotechnik in ungeheuren Ausmaßen ins Stadion verbracht werden konnte. Aufgrund des massiven Einsatzes von Pyrotechnik waren die Ordner schließlich nicht in der Lage, im Block für die Beruhigung der Lage zu sorgen- sie hätten zweifellos ihre eigene Gesundheit aufs Spiel gesetzt, wenn sie sich zur Fantrennung in den Block begeben hätten.

Unzureichende Sicherheitsvorkehrungen sind Standard in Stadien- die Verantwortung liegt bei den Veranstaltern

Die Sicherheitsmaßnahmen des Veranstalters bei den Einlasskontrollen beziehungsweise generell die Sicherheitsmaßnahmen zur Verhinderung der Verbringung von Pyrotechnik ins Stadion sind erkennbar ungenügend. Hier wird deutlich, dass die Vereine kein echtes Interesse haben, zu intervenieren und die Pyrotechnik im Stadion zu verhindern. Genau hier gilt es aber nach Einschätzung der DPolG NRW anzusetzen, wenn Auseinandersetzungen sowie das gefährliche Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion verhindert werden sollen.

Polizei hat vorbildlich gehandelt

„Anders als in vielen Kommentaren zu lesen war, ging das polizeiliche Konzept voll auf. Weder auf der Anreise noch auf der Abreise gab es nennenswerte Störungen- und genau für diesen Bereich zeichnet sich die Polizei tatsächlich verantwortlich.
Dass die Einheiten der Bereitschaftspolizei so schnell im Block waren und weitere Eskalationen verhinderten, verdient ausdrücklich Anerkennung und Respekt. Es braucht leider offenbar drakonische Strafen für Veranstalter, denen es nicht gelingt, Pyrotechnik aus den Stadien zu verbannen. Andere Veranstaltungen würden durch die zuständigen Genehmigungsbehörden bei derart unzuverlässigen Veranstaltern konsequent untersagt. Der Fußball, der zweifellos eine wichtige Funktion in der Gesellschaft einnimmt, erhält offenkundig nicht gerechtfertigte Sonderrechte. Wer Sicherheit in den Stadien haben will, muss genau da ansetzen und sollte sich weniger auf einsatztaktische Konzepte der Polizei fokussieren- das sind letztlich nur Ablenkungsmanöver“, stellte der Landesvorsitzende der DPolG NRW, Sascha Gerhardt, die fachliche Analyse der Gewerkschaft heraus.

Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit

„Um endlich Verhaltensänderungen herbeizuführen, wird es zudem unumgänglich sein, dass die Vereine an den Kosten der Polizeieinsätze beteiligt werden- die Zurückhaltung des Landes NRW muss hier wirklich besonders kritisch gewürdigt werden. Zugleich muss auch konsequent darüber nachgedacht werden, ob die Vereine die ausreichende Zuverlässigkeit besitzen, derartige Großveranstaltungen durchzuführen. Bei Mehrfachverstößen müssen Veranstaltungen auch durch die zuständigen Kommunen untersagt werden oder eben unter Ausschluss von Zuschauern stattfinden. Nur dann werden die Auswüchse in den Stadien in den Griff zu kriegen sein“, findet Sascha Gerhardt klare Worte.

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